Wie wirkt die Kombination aus Emtricitabin und Tenofovirdisoproxil?
Truvada® enthält die Wirkstoffkombination Emtricitabin und Tenofovirdisoproxil. Beide Substanzen hemmen die HIV-Reverse-Transkriptase, ein Enzym, das für die Vermehrung des Humanen Immundefizienz-Virus erforderlich ist.
Nach der Aufnahme werden die Wirkstoffe in den Zellen in ihre aktiven Formen umgewandelt. Diese werden anstelle natürlicher Bausteine in die entstehende virale DNA eingebaut und führen zum Abbruch der DNA-Synthese. Dadurch wird die Bildung neuer viraler DNA gehemmt und die Vermehrung von HIV in den Zellen eingeschränkt.
Dosierung von Truvada®
Nehmen Sie das Arzneimittel stets entsprechend den Anweisungen Ihres behandelnden Arztes ein. Sollten hinsichtlich der Anwendung oder Dosierung Unklarheiten bestehen, wenden Sie sich an Ihren Arzt.
Sowohl zur Behandlung einer HIV-Infektion als auch zur Verringerung des Risikos einer HIV-Ansteckung beträgt die empfohlene Dosierung eine Tablette einmal täglich. Die Einnahme sollte nach Möglichkeit zusammen mit einer Mahlzeit erfolgen. Halten Sie sich genau an die ärztlich festgelegte Dosis, damit eine ausreichende Wirksamkeit der Therapie gewährleistet und das Risiko einer Resistenzentwicklung vermindert wird. Eine Änderung der Dosierung darf nur auf ärztliche Anweisung erfolgen.
Bei der Behandlung einer bestehenden HIV-Infektion wird das Präparat zusammen mit weiteren antiretroviralen Arzneimitteln eingesetzt. Wird es zur Verringerung des Risikos einer HIV-Ansteckung angewendet, ist eine tägliche Einnahme erforderlich. Die Tablette sollte nicht ausschließlich in Situationen eingenommen werden, in denen ein mögliches Ansteckungsrisiko vermutet wird.
Falls versehentlich eine größere als die empfohlene Menge eingenommen wurde, sollten Sie sich zur weiteren Beratung an Ihren Arzt oder an die nächstgelegene Notaufnahme wenden.
Eine regelmäßige Einnahme ohne ausgelassene Dosen ist wichtig. Bemerken Sie innerhalb von 12 Stunden nach dem üblichen Einnahmezeitpunkt, dass Sie eine Tablette vergessen haben, holen Sie die Einnahme möglichst bald nach, vorzugsweise zusammen mit Nahrung. Die darauffolgende Dosis wird wieder zum gewohnten Zeitpunkt eingenommen. Sind seit dem üblichen Einnahmezeitpunkt bereits 12 Stunden oder mehr vergangen, sollte die vergessene Tablette nicht mehr nachträglich eingenommen werden. Nehmen Sie stattdessen die nächste Dosis zum regulären Zeitpunkt ein, möglichst zusammen mit einer Mahlzeit.
Kommt es innerhalb von weniger als einer Stunde nach der Einnahme zum Erbrechen, ist eine weitere Tablette einzunehmen. Tritt das Erbrechen erst mehr als eine Stunde nach der Einnahme auf, ist keine zusätzliche Dosis erforderlich.
Bei einer Behandlung der HIV-Infektion kann ein eigenständiges Absetzen des Präparats die Wirksamkeit der ärztlich verordneten antiretroviralen Therapie beeinträchtigen. Wird das Arzneimittel zur Verringerung des Risikos einer HIV-Ansteckung eingesetzt, können eine Unterbrechung der Einnahme oder ausgelassene Dosen das Infektionsrisiko erhöhen. Beenden Sie die Behandlung daher nicht ohne vorherige Rücksprache mit Ihrem Arzt.
Anwendung von Truvada®
Die übliche Einnahmemenge beträgt eine Tablette pro Tag, die nach Möglichkeit gemeinsam mit einer Mahlzeit eingenommen werden sollte. Bei Schwierigkeiten beim Schlucken kann die Tablette mithilfe der Spitze eines Löffels zerkleinert werden. Anschließend wird das Pulver mit etwa 100 ml Wasser, Orangen- oder Traubensaft vermischt. Die zubereitete Mischung sollte unmittelbar danach vollständig getrunken werden.
Nebenwirkungen von Truvada®
Wie andere Arzneimittel kann auch dieses Präparat Nebenwirkungen verursachen, die jedoch nicht bei jedem Patienten auftreten müssen.
Häufige Nebenwirkungen:
- Durchfall, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen;
- Kopfschmerzen und Schwindel;
- Schwächegefühl;
- Schlafstörungen und ungewöhnliche Träume;
- Verdauungsbeschwerden nach den Mahlzeiten, Völlegefühl und Blähungen;
- Hautreaktionen wie Ausschlag, Juckreiz oder Veränderungen der Hautfarbe;
- allergische Reaktionen, die sich unter anderem durch Atembeschwerden, Schwellungen oder Benommenheit äußern können;
- Abnahme der Knochenmasse.
Bei Laboruntersuchungen können verminderte Phosphatwerte, eine erhöhte Kreatinkinase, eine reduzierte Anzahl weißer Blutkörperchen sowie erhöhte Triglycerid-, Blutzucker- oder Gallenwerte festgestellt werden. Darüber hinaus sind Veränderungen der Leber- oder Bauchspeicheldrüsenwerte möglich.
Seltene Nebenwirkungen:
- Laktatazidose – eine übermäßige Ansammlung von Milchsäure im Blut;
- Fettleber;
- Leberentzündung, die sich durch eine Gelbfärbung der Haut oder Augen, Juckreiz oder Schmerzen im Oberbauch äußern kann;
- Nierenentzündung, vermehrte Urinausscheidung mit starkem Durstgefühl, Nierenversagen oder Schädigungen der Zellen der Nierenkanälchen;
- Erweichung der Knochen, die mit Knochenschmerzen einhergehen und in einzelnen Fällen zu Knochenbrüchen führen kann;
- Rückenschmerzen infolge einer beeinträchtigten Nierenfunktion.
Schädigungen der Zellen der Nierenkanälchen können außerdem mit Muskelabbau, Muskelschmerzen oder Muskelschwäche sowie einer verminderten Kalium- oder Phosphatkonzentration im Blut verbunden sein.
Eine Laktatazidose tritt selten auf, kann jedoch lebensbedrohlich sein. Mögliche Anzeichen sind tiefes und beschleunigtes Atmen, ausgeprägte Schläfrigkeit, Übelkeit, Erbrechen und Bauchschmerzen. Das Risiko kann insbesondere bei Personen mit Lebererkrankungen sowie bei übergewichtigen Frauen erhöht sein. Bei Verdacht auf eine Laktatazidose ist unverzüglich medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Andere mögliche Nebenwirkungen und Beschwerden:
Gelegentlich können eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse mit Schmerzen im Oberbauch, Schwellungen von Gesicht, Lippen, Zunge oder Rachen sowie eine Anämie auftreten. Möglich sind außerdem Muskelabbau, Muskelschmerzen oder Muskelschwäche im Zusammenhang mit einer Schädigung der Nierenkanälchen. Laboruntersuchungen können dabei eine verminderte Kaliumkonzentration, erhöhte Kreatininwerte oder Veränderungen des Urins zeigen.
Nach Beginn einer HIV-Therapie können bei Patienten mit fortgeschrittener HIV-Infektion und früher aufgetretenen opportunistischen Infektionen Entzündungszeichen auftreten. Dies kann mit der Erholung des Immunsystems zusammenhängen, wodurch bereits bestehende Infektionen deutlicher in Erscheinung treten können.
Auch Autoimmunerkrankungen können sich nach Beginn einer HIV-Behandlung entwickeln, teilweise erst mehrere Monate nach Therapiebeginn. Mögliche Anzeichen sind:
- Muskelschwäche;
- Schwäche, die in den Händen oder Füßen beginnt und sich in Richtung des Rumpfes ausbreitet;
- Herzklopfen;
- Zittern;
- ungewöhnliche Überaktivität.
Im Rahmen einer antiretroviralen Kombinationstherapie kann eine Osteonekrose auftreten. Dabei wird Knochengewebe infolge einer unzureichenden Blutversorgung geschädigt. Zu den möglichen Risikofaktoren zählen eine langfristige antiretrovirale Behandlung, die Einnahme von Kortikosteroiden, Alkoholkonsum, eine starke Beeinträchtigung des Immunsystems und Übergewicht.
Während einer HIV-Behandlung können außerdem eine Gewichtszunahme sowie erhöhte Blutfett- und Blutzuckerwerte auftreten. Diese Veränderungen können teilweise mit einer Verbesserung des allgemeinen Gesundheitszustands und dem Lebensstil zusammenhängen; Veränderungen der Blutfettwerte können zudem durch die HIV-Therapie selbst bedingt sein. Die entsprechenden Werte werden ärztlich kontrolliert.
Wenn Nebenwirkungen auftreten, bestehende Beschwerden stärker werden oder andere, hier nicht aufgeführte Reaktionen festgestellt werden, sollten Sie Ihren Arzt informieren.
Verträglichkeit von Truvada® mit anderen Arzneimitteln
Das Präparat darf nicht zusammen mit anderen Arzneimitteln eingenommen werden, die bereits Emtricitabin und Tenofovirdisoproxilfumarat enthalten. Dies gilt ebenfalls für antivirale Präparate mit Tenofoviralafenamid, Lamivudin oder Adefovirdipivoxil.
Informieren Sie Ihren Arzt insbesondere dann, wenn gleichzeitig Arzneimittel angewendet werden, die die Nierenfunktion beeinträchtigen können. Hierzu zählen Aminoglykoside und Vancomycin zur Behandlung bakterieller Infektionen, Amphotericin B gegen Pilzerkrankungen, die antiviralen Wirkstoffe Foscarnet, Ganciclovir und Cidofovir sowie Pentamidin zur Behandlung bestimmter Infektionen. Auch Interleukin-2, das in der Krebstherapie eingesetzt wird, und nichtsteroidale Antiphlogistika (NSAIDs) wie Ibuprofen, beispielsweise zur Linderung von Knochen- oder Muskelschmerzen, sind in diesem Zusammenhang von Bedeutung.
Wenn Sie zur HIV-Behandlung zusätzlich einen Proteasehemmer erhalten, kann Ihr Arzt regelmäßige Blutuntersuchungen veranlassen, um die Nierenfunktion besonders sorgfältig zu kontrollieren.
Eine ärztliche Rücksprache ist ebenfalls erforderlich, wenn Sie zur Behandlung einer Hepatitis-C-Infektion Ledipasvir/Sofosbuvir, Sofosbuvir/Velpatasvir oder Sofosbuvir/Velpatasvir/Voxilaprevir anwenden.
Besondere Vorsicht ist bei einer gleichzeitigen Behandlung mit Didanosin erforderlich. Die Kombination mit Tenofovirdisoproxil kann die Konzentration von Didanosin im Blut erhöhen und zu einer Abnahme der CD4-Zellzahl führen. Bei der gemeinsamen Anwendung von Tenofovirdisoproxil und Didanosin wurden in seltenen Fällen Entzündungen der Bauchspeicheldrüse sowie Laktatazidosen, also ein Überschuss an Milchsäure im Blut, beschrieben, die teilweise tödlich verliefen. Der behandelnde Arzt wird daher sorgfältig prüfen, ob eine kombinierte Therapie mit Tenofovir und Didanosin für Sie infrage kommt.
Teilen Sie Ihrem Arzt mit, wenn Sie eines der genannten Arzneimittel anwenden. Informieren Sie ihn außerdem über alle weiteren Medikamente, die Sie derzeit einnehmen, vor Kurzem eingenommen haben oder künftig einzunehmen beabsichtigen.
Kontraindikationen für Truvada®
Das Arzneimittel ist weder für die Behandlung einer HIV-Infektion noch zur Verringerung des Risikos einer HIV-Ansteckung geeignet, wenn eine bekannte Überempfindlichkeit gegen Emtricitabin, Tenofovir, Tenofovirdisoproxilfumarat oder einen der weiteren Bestandteile des Präparats besteht.
Schwangerschaft und Stillzeit
Wenn Sie schwanger sind, eine Schwangerschaft vermuten oder planen beziehungsweise stillen, sollten Sie vor der Anwendung dieses Arzneimittels ärztlichen Rat einholen. Wurde das Präparat während einer Schwangerschaft eingenommen, kann der behandelnde Arzt regelmäßige Blutkontrollen und weitere diagnostische Untersuchungen veranlassen, um die Entwicklung des Kindes zu überprüfen.
Während der Behandlung darf nicht gestillt werden, da die enthaltenen Wirkstoffe beim Menschen in die Muttermilch gelangen können. Frauen mit einer HIV-Infektion wird zudem vom Stillen abgeraten, weil HIV über die Muttermilch auf das Kind übertragen werden kann.
Lagerung von Truvada®
Das Präparat ist in der Originalverpackung bei einer Temperatur von nicht mehr als 25 °C aufzubewahren, um es vor Feuchtigkeit und Lichteinwirkung zu schützen. Achten Sie darauf, dass das Arzneimittel für Kinder weder sichtbar noch erreichbar ist. Nach Überschreiten des auf der Verpackung angegebenen Verfalldatums darf es nicht mehr verwendet werden.
Behandlungsoptionen für Truvada®
Nehmen Sie an unserer Online-Beratung teil, um ein Rezept für entsprechende Medikamente zu bekommen, die Ihnen versandkostenfrei innerhalb von 1-2 Tagen zugestellt werden.
- Rezeptausstellung durch einen Online-Fragebogen
- Auswahl an Markenmedikamenten und deutschen Generika
- Schneller und vertraulicher Service
- Zugang zu medizinischen Fragen
Packungsbeilage
Verpassen Sie keine wichtigen Informationen! Die Aktualität dieser Packungsbeilage kann nicht garantiert werden. Sichern Sie sich die neueste Version in der Medikamentenverpackung!