Wie wirkt Allopurinol?
Allopurinol ist ein Wirkstoff zur Senkung erhöhter Harnsäurewerte und wird der Gruppe der Xanthinoxidasehemmer zugeordnet. Seine pharmakologische Wirkung beruht auf der Blockierung des Enzyms Xanthinoxidase, das eine wichtige Rolle beim Abbau von Purinen und der Bildung von Harnsäure spielt.
Durch die Hemmung dieses Stoffwechselprozesses wird die Harnsäurekonzentration im Organismus reduziert. Dies kann die Entstehung von Harnsäurekristallen verringern, die sich unter anderem in den Gelenken, im Nierengewebe oder in anderen Körpergeweben ablagern können.
Die Wirkung von Allopurinol tritt nicht unmittelbar ein, sondern entwickelt sich über einen längeren Zeitraum. Der Wirkstoff wird zur dauerhaften Kontrolle erhöhter Harnsäurewerte eingesetzt und dient in erster Linie der Vorbeugung von Folgeerkrankungen einer chronischen Hyperurikämie. Zur Behandlung eines akuten Gichtanfalls ist Allopurinol nicht vorgesehen.
Dosierung von Allopurinol Heumann®
Die Dosierung von Allopurinol wird anhand der individuellen Harnsäurewerte festgelegt. Bei erwachsenen Patienten liegt die übliche Tagesdosis meist zwischen 100 mg und 300 mg, was einer Einnahme von 1 bis 3 Tabletten pro Tag entspricht.
Zu Beginn der Behandlung wird häufig mit einer niedrigeren Dosis von 100 mg täglich begonnen, um das Risiko von Nebenwirkungen zu verringern. Falls die therapeutische Wirkung nicht ausreichend ist, kann der Arzt die Dosierung schrittweise erhöhen.
In einzelnen Fällen kann die Tagesdosis auf 600 bis 800 mg gesteigert werden. Bei höheren Dosierungen sind regelmäßige Laborkontrollen erforderlich, insbesondere zur Überwachung des Oxipurinolspiegels im Blut. Um die Verträglichkeit zu verbessern, sollte eine Einzeldosis 300 mg nicht überschreiten. Höhere Tagesmengen sollten auf mehrere Einnahmen verteilt werden.
Die empfohlene Höchstdosis beträgt 800 mg Allopurinol pro Tag.
Bei einer eingeschränkten Nierenfunktion muss die Dosierung entsprechend angepasst werden. Dabei dient die Kreatinin-Clearance als wichtiger Orientierungswert.
- Bei einer Kreatinin-Clearance von über 20 ml/min wird in der Regel die Standarddosis angewendet.
- Bei einer Kreatinin-Clearance zwischen 10 und 20 ml/min liegt die empfohlene Tagesdosis gewöhnlich zwischen 100 mg und 200 mg.
- Beträgt die Kreatinin-Clearance weniger als 10 ml/min, werden üblicherweise 100 mg täglich oder längere Einnahmeintervalle empfohlen.
Patienten, die regelmäßig eine Hämodialyse erhalten, können nach jeder Dialysesitzung 300 bis 400 mg Allopurinol einnehmen. Dies entspricht normalerweise zwei bis drei Anwendungen pro Woche.
Die Behandlung mit Allopurinol erfolgt meist über einen längeren Zeitraum und sollte regelmäßig entsprechend den ärztlichen Anweisungen durchgeführt werden.
Während der Therapie sind wiederholte Kontrolluntersuchungen erforderlich, um die Harnsäurewerte zu überwachen, mögliche Nebenwirkungen frühzeitig zu erkennen und die Notwendigkeit einer weiteren Behandlung zu beurteilen. Wenn Sie den Eindruck haben, dass die Wirkung des Arzneimittels zu stark oder zu schwach ausfällt, sollten Sie Ihren behandelnden Arzt informieren.
Wenn Sie eine Einnahme versäumt haben, nehmen Sie keine doppelte Dosis ein, um die ausgelassene Tablette auszugleichen.
Anwendung von Allopurinol Heumann®
Die Tabletten sollten nach dem Essen unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden. Es wird empfohlen, das Arzneimittel täglich möglichst zur gleichen Zeit anzuwenden. Wenn die verordnete Tagesdosis 300 mg Allopurinol übersteigt oder Beschwerden im Magen-Darm-Bereich auftreten, sollte die Gesamtdosis auf mehrere Einnahmezeitpunkte verteilt werden.
Während der Behandlung sollte auf eine regelmäßige und ausreichende Flüssigkeitsaufnahme geachtet werden.
Nebenwirkungen von Allopurinol Heumann®
Wie bei allen Arzneimitteln können auch unter der Behandlung mit diesem Präparat Nebenwirkungen auftreten. Diese müssen jedoch nicht bei jedem Patienten beobachtet werden. Bei Personen mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion sowie bei gleichzeitiger Anwendung von Ampicillin- oder Amoxicillin-haltigen Arzneimitteln kann das Risiko für unerwünschte Reaktionen erhöht sein.
Selten:
- Hautveränderungen wie Juckreiz, Exantheme, knotige Veränderungen, Schuppenbildung oder kleine Einblutungen in die Haut;
- Übelkeit und Erbrechen;
- erhöhte Konzentrationen des Thyreotropins im Blut;
- das vorübergehende Auftreten eines Gichtanfalls zu Beginn der Behandlung.
Häufig:
- Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Muskelschmerzen sowie Beschwerden, die einer Grippe ähneln;
- ausgeprägte Überempfindlichkeitsreaktionen mit Hautrötungen, Schmerzen und Veränderungen von Blut- und Leberwerten;
- entzündliche Veränderungen der Blutgefäße mit möglicher Beteiligung von Leber, Nieren oder des Nervensystems;
- Beeinträchtigungen der Leberfunktion, die von erhöhten Leberenzymen bis hin zu Hepatitis reichen können;
- Durchfallerkrankungen;
- Veränderungen des Blutbildes mit einer Zu- oder Abnahme bestimmter Blutzelltypen;
- schwere Störungen der Knochenmarkfunktion, insbesondere bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion.
Gelegentlich:
- schwere Hautreaktionen wie das Stevens-Johnson-Syndrom oder die toxische epidermale Nekrolyse;
- ausgeprägte allergische Reaktionen mit Schwellungen im Gesichts- oder Rachenbereich bis hin zum anaphylaktischen Schock;
- aseptische Meningitis mit Beschwerden wie Nackensteifigkeit, Fieber, Übelkeit, Kopfschmerzen und Bewusstseinsstörungen;
- juckende, rötlich-violette Hautausschläge im Sinne einer lichenoiden Reaktion;
- Erkrankungen des Lymphsystems;
- Entzündungen der Gallenwege sowie Xanthinablagerungen in den Harnwegen;
- Blutungen im Magen-Darm-Trakt;
- allgemeine Beschwerden wie Kraftlosigkeit, Müdigkeit oder Unwohlsein;
- neurologische Symptome wie Schwindel, Schläfrigkeit, Empfindungsstörungen, Gleichgewichtsstörungen oder Schädigungen peripherer Nerven;
- Entzündungen der Mundschleimhaut, Halsschmerzen oder eitrige Hautentzündungen;
- Sehstörungen, Veränderungen der Netzhaut oder eine Trübung der Augenlinse;
- verlangsamter Herzschlag, erhöhter Blutdruck oder Flüssigkeitseinlagerungen im Gewebe;
- Stoffwechselveränderungen wie erhöhte Blutfettwerte, Diabetes mellitus oder erhöhte Harnstoffkonzentrationen;
- Beschwerden des Bewegungsapparats wie Muskelschmerzen oder Lähmungserscheinungen;
- Veränderungen des Harnsystems, darunter Blut im Urin oder blutiges Erbrechen;
- Störungen der sexuellen Funktion, verminderte Fruchtbarkeit oder eine Vergrößerung der männlichen Brustdrüse.
Bei Hautreaktionen sollte die Einnahme des Arzneimittels unverzüglich beendet und umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen können lebensbedrohlich sein und erfordern eine sofortige medizinische Behandlung. Das Arzneimittel sollte ohne ärztliche Anweisung nicht erneut eingenommen werden.
Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, informieren Sie Ihren Arzt. Dies gilt auch für Beschwerden, die nicht ausdrücklich in dieser Übersicht aufgeführt sind.
Verträglichkeit von Allopurinol Heumann® mit anderen Arzneimitteln
Bitte informieren Sie Ihren Arzt, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen oder anwenden, vor Kurzem angewendet haben oder die Einnahme weiterer Präparate beabsichtigen.
Wechselwirkungen können insbesondere mit folgenden Arzneimitteln auftreten:
- Probenecid kann die Ausscheidung von Allopurinol verändern, während Allopurinol gleichzeitig die Ausscheidung von Probenecid verzögern kann.
- Arzneimittel, die die Ausscheidung von Harnsäure fördern, wie Probenecid, Benzbromaron, Sulfinpyrazon oder hoch dosierte Salicylate, können die Wirksamkeit von Allopurinol verringern.
- Die gleichzeitige Anwendung von Mercaptopurin oder Azathioprin sollte möglichst vermieden werden. Ist eine Kombination unvermeidbar, muss die Dosierung angepasst werden, da das Risiko schwerwiegender Veränderungen des Blutbildes steigen kann.
- Ampicillin und Amoxicillin können bei gleichzeitiger Anwendung mit Allopurinol häufiger allergische Hautreaktionen auslösen.
- Die Kombination mit Captopril kann insbesondere bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz das Risiko für Hautreaktionen erhöhen.
- Die Wirkung von blutgerinnungshemmenden Arzneimitteln aus der Gruppe der Cumarinderivate kann verstärkt werden. Daher sollten die Gerinnungswerte regelmäßig kontrolliert werden.
- Bei eingeschränkter Nierenfunktion kann sich die Wirkung von Chlorpropamid verlängern, sodass eine Dosisanpassung erforderlich sein kann.
- Allopurinol kann den Abbau von Theophyllin verlangsamen. Aus diesem Grund sollte die Konzentration des Wirkstoffs im Blut insbesondere zu Beginn der Behandlung oder nach einer Dosiserhöhung überprüft werden.
- Bei einer gleichzeitigen Behandlung mit bestimmten Zytostatika wie Cyclophosphamid, Doxorubicin, Bleomycin, Procarbazin oder Alkylhalogeniden können Veränderungen des Blutbildes häufiger auftreten. Deshalb werden regelmäßige Laborkontrollen empfohlen.
- Allopurinol kann die Verweildauer von Vidarabin im Körper verlängern und dadurch das Risiko für unerwünschte Wirkungen erhöhen.
- Die Konzentration von Ciclosporin im Blut kann ansteigen, wodurch Nebenwirkungen dieses Arzneimittels häufiger auftreten können.
- Der Wirkstoff kann den Stoffwechsel von Phenytoin beeinflussen. Die klinische Relevanz dieser Wechselwirkung sollte individuell beurteilt werden.
- Bei einer gleichzeitigen Anwendung von Didanosin kann dessen Blutkonzentration zunehmen, wodurch das Risiko für Nebenwirkungen steigt. In diesem Fall ist eine engmaschige ärztliche Überwachung erforderlich.
- Aluminiumhydroxid kann die Wirkung von Allopurinol abschwächen. Zwischen der Einnahme beider Präparate sollte daher ein zeitlicher Abstand von mindestens drei Stunden eingehalten werden.
Informieren Sie Ihren Arzt über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen oder anwenden. Dadurch können mögliche Wechselwirkungen frühzeitig erkannt und die Behandlung gegebenenfalls angepasst werden.
Kontraindikationen für Allopurinol Heumann®
Die Einnahme dieses Arzneimittels ist kontraindiziert, wenn eine Allergie gegen den Wirkstoff Allopurinol oder gegen einen der sonstigen Bestandteile des Präparats vorliegt. Bei bekannter Überempfindlichkeit darf das Arzneimittel nicht angewendet werden.
Schwangerschaft und Stillzeit
Vor der Einnahme dieses Arzneimittels sollten Sie Ihren Arzt konsultieren, wenn Sie schwanger sind, stillen, eine Schwangerschaft vermuten oder eine Schwangerschaft planen. Die Anwendung während dieser Lebensphasen sollte nur nach sorgfältiger ärztlicher Beurteilung erfolgen.
Lagerung von Allopurinol Heumann®
Das Arzneimittel sollte bei einer Temperatur von nicht mehr als 25 °C in der Originalverpackung gelagert werden, um einen ausreichenden Schutz vor Licht und Feuchtigkeit zu gewährleisten. Bewahren Sie das Präparat an einem Ort auf, der für Kinder weder zugänglich noch sichtbar ist. Verwenden Sie das Arzneimittel nicht mehr nach dem auf der Verpackung angegebenen Verfallsdatum.
Behandlungsoptionen für Allopurinol Heumann®
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