Anwendung von Acetazolamid bei Höhenkrankheit
Acetazolamid gehört zur Wirkstoffgruppe der Carboanhydrase-Inhibitoren und reduziert die Aktivität des Enzyms Carboanhydrase, das eine wichtige Funktion bei der Aufrechterhaltung des Säure-Basen-Gleichgewichts erfüllt. Durch die Hemmung dieses Enzyms kommt es zu einer Veränderung des Säure-Basen-Haushalts, wodurch das Atemzentrum angeregt und die Atmung intensiviert wird. Die gesteigerte Atemfrequenz und Atemtiefe fördern die Sauerstoffversorgung des Körpers unter den Bedingungen eines niedrigen Sauerstoffpartialdrucks in großer Höhe. Auf diese Weise trägt Acetazolamid zur Anpassung des Organismus an sauerstoffarme Höhenbedingungen bei und kann die Wahrscheinlichkeit einer akuten Höhenkrankheit senken.
Der Wirkstoff kann sowohl zur Prävention als auch zur Behandlung leichter Beschwerden einer akuten Höhenkrankheit ärztlich verordnet werden. Typischerweise entwickeln sich höhenbedingte Symptome bei Aufenthalten oberhalb von 2.000 Metern, wobei die individuelle Empfindlichkeit unterschiedlich ausgeprägt ist. Bei manchen Personen können erste Beschwerden bereits unterhalb dieser Grenze auftreten, während andere erst in deutlich größeren Höhen Symptome entwickeln. Eine vorbeugende Behandlung mit Acetazolamid kann vor allem dann in Betracht gezogen werden, wenn ein rascher Aufstieg auf Höhen von mehr als 2.000 bis 3.000 Metern geplant ist und eine schrittweise Gewöhnung an die veränderten Sauerstoffverhältnisse nicht ausreichend gewährleistet werden kann.
Wichtiger Hinweis! Acetazolamid kann die natürliche Höhenanpassung unterstützen, ersetzt jedoch keinesfalls eine angemessene Akklimatisierung. Ab einer Höhe von 3.000 Metern sollte die tägliche Zunahme der Schlafhöhe möglichst auf maximal 500 Meter begrenzt werden. Bei ausgeprägten Warnzeichen wie starken Kopfschmerzen, wiederholtem Erbrechen, Atemnot in Ruhe oder Störungen der Bewegungskoordination ist der weitere Aufstieg unverzüglich einzustellen. In solchen Fällen ist ein sofortiger Abstieg um mindestens 500 bis 1.000 Meter erforderlich; außerdem muss umgehend medizinische Hilfe organisiert werden.
Dosierung von Acemit®
Die vorbeugende Behandlung mit Acemit® sollte möglichst 48 Stunden vor dem geplanten Aufstieg in größere Höhen eingeleitet werden. Während des Aufenthalts im Hochgebirge wird die Einnahme bis zum Beginn des Abstiegs fortgeführt. Die empfohlene Dosierung beträgt zweimal täglich 125 mg Acetazolamid. Um diese Wirkstoffmenge zu erhalten, kann eine Tablette mit 250 mg in zwei gleiche Hälften geteilt werden. Für eine möglichst präzise Teilung empfiehlt sich die Verwendung eines geeigneten Tablettenteilers.
Wurde eine Dosis versehentlich ausgelassen, darf die versäumte Einnahme nicht durch eine Verdopplung der nächsten Dosis ausgeglichen werden.
Wichtige Informationen zur Einnahme von Acemit®
Die Einnahme von Acemit® wird idealerweise zu einer Mahlzeit empfohlen, da dies die Verträglichkeit des Arzneimittels verbessern kann. Insbesondere lässt sich dadurch das Risiko von Übelkeit reduzieren, die bei der Anwendung von Acetazolamid auf leeren Magen auftreten kann.
Während der gesamten Behandlungsdauer ist eine direkte Einwirkung von UV-Strahlung möglichst zu vermeiden.
Sollten während eines Aufenthalts in großer Höhe trotz der Behandlung mit Acemit® Anzeichen eines Höhenhirnödems oder Höhenlungenödems auftreten, handelt es sich um einen medizinischen Notfall. In dieser Situation müssen umgehend ärztliche Notfallmaßnahmen eingeleitet und ein unverzüglicher Abstieg beziehungsweise eine sofortige Evakuierung in niedrigere Höhen veranlasst werden.
Nebenwirkungen von Acemit®
Wie andere Arzneimittel kann auch dieses Präparat unerwünschte Wirkungen hervorrufen. Allerdings treten diese nicht bei jedem Patienten auf.
In sehr seltenen Fällen können schwerwiegende allergische Reaktionen entstehen, die eine umgehende medizinische Versorgung erfordern. Bei plötzlich auftretenden pfeifenden Atemgeräuschen, Atemnot, Schwellungen im Bereich der Augenlider, des Gesichts oder der Lippen sowie bei stark ausgeprägten Hautausschlägen oder großflächigem Juckreiz ist unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Häufig auftretende Nebenwirkungen:
- Missempfindungen der Haut wie Kribbeln oder Taubheit (Parästhesien), die besonders häufig Finger und Zehen betreffen;
- Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle, abdominale Schmerzen sowie Veränderungen der Geschmackswahrnehmung;
- Nachlassende körperliche Belastbarkeit und allgemeines Schwächegefühl;
- Schwindelgefühl und Kopfschmerzen;
- Beeinträchtigung der motorischen Koordination (Ataxie);
- Störung des Säure-Basen-Haushalts mit erhöhter Blutsäure (metabolische Azidose);
- Erniedrigter Blutdruck;
- Austrocknung der Mundschleimhaut;
- Muskelverkrampfungen, insbesondere Krämpfe in der Wadenmuskulatur;
- Häufigeres Auftreten von Harndrang.
Einige dieser Begleiterscheinungen können sich im weiteren Behandlungsverlauf abschwächen und bereits nach wenigen Tagen ohne zusätzliche Maßnahmen zurückbilden.
Selten auftretende Nebenwirkungen:
- Entstehung von Nierensteinen aus Kalziumphosphat (Nephrolithiasis);
- Verschlechterung der Atmung bei Personen, die bereits an Erkrankungen des Herzens oder der Lunge leiden;
- Schädigungen des Lebergewebes bis hin zum Zerfall von Leberzellen;
- Schwerwiegende Veränderungen der Haut, darunter Erythema multiforme, das Stevens-Johnson-Syndrom und die toxische epidermale Nekrolyse. Typische Warnzeichen können großflächige Hautveränderungen, Blasen, erhöhte Körpertemperatur, grippeähnliche Symptome sowie die Ablösung ausgedehnter Hautpartien sein;
- Thrombozytopenische Purpura, die mit Veränderungen kleinster Blutgefäße und punktförmigen Einblutungen in die Haut einhergehen kann;
- Gesteigerte Empfindlichkeit gegenüber Sonnenlicht und anderen Lichtquellen (Photosensibilisierung);
- Akute schwere Überempfindlichkeitsreaktionen (Anaphylaxie), die im Extremfall einen lebensbedrohlichen Kreislaufschock auslösen können.
Weitere mögliche Nebenwirkungen:
- Zeitweilig auftretende Kurzsichtigkeit;
- Verschiebungen im Elektrolythaushalt mit veränderten Konzentrationen von Kalium, Kalzium, Natrium, Magnesium oder Chlorid;
- Vermehrte Ausscheidung von Kalzium mit dem Harn (Hyperkalziurie);
- Schwankungen des Blutzuckers sowie das Auftreten von Blut oder Glukose im Urin;
- Anstieg der Harnsäurekonzentration im Blut;
- Psychische und neurologische Veränderungen wie Verwirrungszustände, depressive Stimmungslagen, erhöhte Reizbarkeit, Nervosität, innere Unruhe, Benommenheit oder verminderte Anteilnahme;
- Wahrnehmung von Ohrgeräuschen (Tinnitus) und Einschränkungen des Hörvermögens;
- Auffälligkeiten der Leberwerte, entzündliche Erkrankungen der Leber (Hepatitis) sowie Gelbsucht, die sich durch gelbliche Haut oder Augen, dunkel gefärbten Urin und ungewöhnlich hellen Stuhl äußern kann;
- Hautreaktionen einschließlich Nesselsucht (Urtikaria) und verschiedener Formen von Hautausschlag;
- Veränderungen der Blutzusammensetzung, beispielsweise eine verringerte Anzahl weißer Blutkörperchen oder eine schwere Blutarmut. Hinweise darauf können ungewöhnliche Blässe, ausgeprägte Erschöpfung, wiederkehrende Infektionen, Halsschmerzen oder Fieber sein;
- Auftreten von Krampfanfällen;
- Ausgeprägte Muskelschwäche, unter Umständen verbunden mit Lähmungserscheinungen;
- Kolikartige Schmerzen im Bauchbereich sowie eine auffällig schwarze, teerähnliche Stuhlfärbung;
- Akute Gichtbeschwerden mit schmerzhaften, geröteten, überwärmten und geschwollenen Gelenken, die besonders auf Druck empfindlich reagieren;
- Abnahme des sexuellen Interesses;
- Plötzliches Hitzegefühl in Form von Hitzewallungen sowie verstärkter Durst;
- Druckanstieg im Augeninneren im Zusammenhang mit einem Engwinkelglaukom;
- Einschränkungen des Sehvermögens oder Schmerzen im Augenbereich infolge von Flüssigkeitsansammlungen beziehungsweise Ablösungen der Aderhaut (Aderhauterguss oder Aderhautabhebung);
- Nachlassende Nierenleistung, die sich in schweren Fällen zu einem Nierenversagen entwickeln kann;
- Ausgeprägte entzündliche Hautveränderungen mit Rötungen, Schuppung, kleinen Erhebungen und Bläschen, wie sie bei einer akuten generalisierten exanthematischen Pustulose auftreten;
- Ansammlung von Flüssigkeit im Lungengewebe (Lungenödem), die Atemnot, Kurzatmigkeit oder andere Einschränkungen der Atmung verursachen kann.
Dieses Präparat kann die Fähigkeit zu schnellen und angemessenen Reaktionen vermindern. Dies ist insbesondere bei der Teilnahme am Straßenverkehr und beim Umgang mit Maschinen zu berücksichtigen.
Informieren Sie Ihren behandelnden Arzt, sobald Sie unerwünschte Wirkungen feststellen. Dies gilt ebenso für gesundheitliche Beschwerden, die in der vorliegenden Übersicht nicht ausdrücklich aufgeführt sind.
Verträglichkeit von mit Acemit® anderen Arzneimitteln
Die Anwendung von Acetazolamid zusammen mit anderen Medikamenten kann zu Wechselwirkungen führen, durch die sich die therapeutische Wirkung einzelner Arzneimittel verändert oder die Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen steigt.
Bei einer begleitenden Behandlung mit den nachstehend aufgeführten Arzneimitteln ist daher eine besondere ärztliche Überwachung erforderlich:
- Gichtmittel: Wirkstoffe wie Probenecid und Sulfinpyrazon, die zur Behandlung von Gichterkrankungen verwendet werden;
- Kortikosteroide: darunter Prednisolon, das beispielsweise bei Asthma bronchiale und entzündlichen Erkrankungen der Gelenke verordnet wird;
- Antikonvulsiva: Medikamente zur Vorbeugung und Kontrolle epileptischer Anfälle, darunter Phenytoin, Phenobarbital, Carbamazepin, Primidon und Valproinsäure;
- Antidiabetische Arzneimittel: blutzuckerregulierende Präparate wie Metformin und Insulin;
- Harntreibende Medikamente (Diuretika): insbesondere Präparate mit dem Wirkstoff Furosemid;
- Mittel gegen Pilzerkrankungen: Amphotericin B, das bei bestimmten Pilzinfektionen zum Einsatz kommt;
- Trizyklische Antidepressiva: Wirkstoffe, die bei der medikamentösen Therapie von Depressionen eingesetzt werden;
- Salicylathaltige Arzneimittel: insbesondere Acetylsalicylsäure (Aspirin) und pharmakologisch verwandte Substanzen;
- Kardiale Glykoside: beispielsweise Digoxin, das zur Therapie bestimmter Herzkrankheiten angewendet wird;
- Medikamente gegen Harnwegsinfektionen: vor allem Präparate mit Methenamin;
- Psychiatrische Arzneimittel und Stimulanzien: lithiumhaltige Medikamente zur Therapie schwerwiegender psychischer Erkrankungen sowie Arzneimittel mit Amphetamin;
- Abschwellende Präparate: beispielsweise Ephedrin, das als Dekongestivum verwendet wird;
- Arzneimittel gegen Herzrhythmusstörungen: Wirkstoffe wie Chinidin, Mexiletin und Procainamid;
- Natriumhydrogencarbonat: eine Substanz, die zur Korrektur bestimmter Erkrankungen mit übermäßiger Säurebelastung des Organismus eingesetzt wird;
- Zytostatika und andere Krebsmedikamente: darunter Methotrexat zur Behandlung bösartiger Erkrankungen;
- Weitere Hemmstoffe der Carboanhydrase: Arzneistoffe, die beispielsweise bei einem krankhaft erhöhten Augeninnendruck Anwendung finden;
- Substanzen mit Einfluss auf den Folsäurestoffwechsel: insbesondere Pyrimethamin und Trimethoprim;
- Blutgerinnungshemmende Medikamente: beispielsweise Warfarin, das zur Verhinderung und Behandlung thrombotischer Ereignisse eingesetzt wird;
- Antihypertensiva: blutdrucksenkende Wirkstoffe wie Propranolol;
- Immunsuppressive Arzneimittel: insbesondere Ciclosporin, das unter anderem nach einer Organtransplantation zur Abschwächung der körpereigenen Immunabwehr verordnet wird.
Während einer längerfristigen Therapie mit Acetazolamid sind regelmäßige labormedizinische Blutkontrollen sinnvoll. Der Wirkstoff kann Veränderungen des Elektrolytgleichgewichts, des Harnsäurespiegels und der Blutzuckerwerte hervorrufen. Darüber hinaus sollte das mit der Behandlung möglicherweise verbundene Risiko einer Nierensteinbildung ärztlich beurteilt werden.
Die gleichzeitige Verwendung der genannten Medikamente kann Änderungen des Therapieschemas oder ergänzende ärztliche Kontrolluntersuchungen notwendig machen. Die Entscheidung über eine kombinierte Behandlung trifft der Arzt auf Grundlage der pharmakologischen Eigenschaften der eingesetzten Wirkstoffe und der persönlichen gesundheitlichen Voraussetzungen des Patienten.
Setzen Sie Ihren Arzt deshalb über alle Medikamente in Kenntnis, die Sie aktuell verwenden, vor Kurzem angewendet haben oder zukünftig einzunehmen planen. Berücksichtigen Sie dabei auch Arzneimittel, die ohne ärztliche Verschreibung erhältlich sind.
Kontraindikationen für Acemit®
Acetazolamid darf bei bestimmten Vorerkrankungen oder gesundheitlichen Einschränkungen nicht eingenommen werden. Dies gilt insbesondere für Patienten, bei denen eine allergische Reaktion auf Acetazolamid, Wirkstoffe aus der Gruppe der Sulfonamide oder andere Inhaltsstoffe des Präparats bekannt ist.
Auch bei Störungen des Mineralstoff- und Säure-Basen-Haushalts ist die Anwendung untersagt. Dazu gehören erniedrigte Natrium- oder Kaliumwerte im Blut sowie eine hyperchlorämische Azidose, bei der eine erhöhte Chloridkonzentration zu einer Übersäuerung des Blutes führt. Ebenso besteht eine Gegenanzeige bei schweren Erkrankungen der Nieren oder der Leber, einschließlich einer Leberzirrhose, sowie bei einer unzureichenden Hormonproduktion der Nebennieren (Nebenniereninsuffizienz).
Weitere Gründe, die gegen eine Behandlung mit Acetazolamid sprechen, sind eine krankhaft erhöhte Kalziumausscheidung im Urin (Hyperkalziurie) und die Einlagerung von Kalziumsalzen in das Nierengewebe (Nephrokalzinose).
Bei Patienten mit einem chronischen nichtkongestiven Engwinkelglaukom ist Acetazolamid zudem nicht zur dauerhaften Therapie vorgesehen. Die durch den Wirkstoff bewirkte Verringerung des Augeninnendrucks kann eine fortschreitende Verschlechterung der Erkrankung verschleiern und dadurch eine frühzeitige Diagnose des Krankheitsverlaufs erschweren.
Schwangerschaft und Stillzeit
Vor Beginn einer Behandlung mit Acetazolamid ist eine ärztliche Beratung erforderlich, wenn eine Schwangerschaft besteht, vermutet oder geplant wird oder wenn die Patientin stillt. Untersuchungen an Ratten, Mäusen und Hamstern haben mögliche schädliche Auswirkungen auf die Entwicklung des ungeborenen Nachwuchses gezeigt. Aus diesem Grund soll auf die Anwendung des Wirkstoffs während der Schwangerschaft und Stillzeit verzichtet werden. Während der Behandlung müssen geeignete, zuverlässige Maßnahmen zur Schwangerschaftsverhütung getroffen werden.
Lagerung von Acemit®
Das Präparat muss bei einer Temperatur unter beziehungsweise bis maximal 25 °C aufbewahrt werden. Die Originalverpackung sollte bis zur Verwendung beibehalten werden, da sie das Arzneimittel vor Feuchtigkeit und Licht schützt. Stellen Sie sicher, dass Kinder weder Zugang zum Medikament haben noch es sehen können. Ist das auf der Verpackung angegebene Verfalldatum überschritten, darf das Präparat nicht mehr verwendet werden.
Behandlungsoptionen für Acemit®
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